(Kirche08.at) Glaube und Sport sind nicht zwei gegensätzliche Pole, sondern können "eine gute Allianz bilden". Dies demonstrierten die christlichen Kirchen bei einer ökumenischen Pressekonferenz zur "Euro 08" am Montag in Wien. Wie "Sport-Bischof" Franz Lackner betonte, "braucht der Glaube Koalitionen", um die Menschen in einer zunehmend säkularen Welt zu erreichen. Der Sport diene hier als "Brücke".
Die Fußballbegeisterung habe mittlerweile das ganze Land erfasst, so Lackner, dem könnten und dürften sich die Kirchen nicht entziehen. Sicherheitsbedenken wegen möglicher Randalierer in Gotteshäusern habe man nicht. Im Gegenteil, so Lackner, werde man diese Chance nutzen und die Kirchen länger als sonst offen halten, um den Menschen in den Städten Ruhepunkte zu bieten.
Wie Weihbischof Lackner mitteilte, werde es in Anlehnung an die erfolgreiche SMS-Aktion während des Papstbesuchs im Vorjahr auch zur "Euro 08" eine kirchliche SMS-Aktion geben. Vom 7. Juni, dem Tag des Ankicks zur "Euro 08", an erhält man dabei täglich eine SMS mit Impulsen zum Thema Glaube und Sport von Bischof Lackner. Die Anmeldung zu dieser Aktion erfolgt über die offizielle Website zum Engagement der Kirchen zur "Euro 08" (http://www.kirche08.at/).
Sturm: Allianz der Kirchen ist "ökumenisches Zeichen"
Auch der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), der evangelische Altbischof Herwig Sturm, betonte die Bedeutung des Sports als "Anknüpfungspunkt für die Kirchen im Ringen um ihre öffentliche Bedeutung in einer säkularen Welt". Als Vorsitzender des ÖRKÖ lobte Sturm ausdrücklich die breite ökumenische Allianz der Kirchen im Rahmen ihres "Euro 08"-Engagements. Diese Allianz der Kirchen setze ein ökumenisches Zeichen der Zusammenarbeit, "hinter das wir nicht mehr zurückgehen dürfen", so Sturm.
Der Zusammenhang zwischen Sport und Glaube zeigt sich laut Sturm auf drei Ebenen. Zum einen stelle der Sport eine wesentliche körperliche Herausforderung dar; auch der christliche Glaube schätze den Körper als "Geschenk Gottes" hoch. Zum zweiten bringe gerade der Fußball die Verpflichtung zum gemeinschaftlichen Agieren mit sich. Dieser Gemeinschaftsgeist werde auch in den Kirchen eingeübt. Zuletzt erinnerte Sturm an den auch im Fußball immer lauter werdenden Aufruf zum "Fairplay". Rücksichtnahme, die Würdigung des Gegners und die Fähigkeit, zu verlieren, ohne das Gesicht zu verlieren, gehören laut Sturm "untrennbar auch zum christlichen Menschenbild".
Bedauern über orthodoxe Zurückhaltung
Bedauern äußerte Sturm darüber, dass es zu keiner Kooperation mit den orthodoxen Kirchen gekommen ist. Es habe konkrete Pläne gegeben, so der ÖRKÖ-Vorsitzende, die orthodoxen Kirchen in den Abschlussgottesdienst beim "Fest der Hoffnung" am 28. Juni aktiv zu integrieren, doch sei man auf Vorbehalte und Ablehnung gestoßen. Von orthodoxer Seite wurde ein öffentliches und europaweit im Fernsehen übertragenes Auftreten gemeinsam mit den Freikirchen und evangelikalen Gruppierungen abgelehnt.
Dankbar zeigte sich Sturm über das Engagement etwa der islamischen Jugend, die sich bei einem "Streetsoccer-Turnier" am 22. Juni in Wien beteiligen wird und so ein Zeichen der interreligiösen Dialogs setze, so Sturm.
Scharf: Kirchen geben "Anpfiff zum Glauben"
Wie der Wiener Pastoralamtsleiter und Beauftragte der Österreichischen Bischofskonferenz für die "Euro 08", Michael Scharf, betonte, wollen die Kirchen mit ihrem Engagement einen "Anpfiff zum Glauben" geben. Unter dem Motto "3:2 - Numbers of hope" wolle man nicht nur zwinkernden Auges an den 3:2-Sieg über Deutschland bei der Fußballweltmeisterschaft im Jahr 1978 erinnern, sondern darüber hinaus auch an eine "christliche Zahl der Hoffnung". Denn die Zahlenkombination weist auf das Matthäus-Evangelium, Kapitel 3, Vers 2 hin, wo es heißt: "Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe".
Zentrale Anlaufstelle und Aktionsort der christlichen Kirchen während der "Euro 08" wird in Wien laut Scharf eine "Friedensmeile" auf dem Platz Am Hof sein. Dort wird es Möglichkeiten zum Dialog geben, vom "Friedenszelt" auf dem Platz werden täglich rund 300 Missionare ausschwärmen, um mit den Fans das Gespräch zu suchen. Zusätzlich werden Freiwillige rund 500.000 Taschenfußballspiele mit Gebetsanregungen und einer Trillerpfeife verteilen. Außerdem wird es eine eigene "Euro 08"-Missionszeitung unter dem Titel "Kick'n Pray" geben, in der prominente Fußballer über ihren Glauben sprechen. "Public viewing" wird laut Scharf in mehr als 50 Pfarren allein in Wien angeboten werden.
Für alle Fälle sind zahlreiche eigens ausgebildete Notfallseelsorger in Bereitschaft. Sie sind, so Scharf, in die Einsatzpläne der Stadt Wien integriert.
Während der "Euro 08" wird es außerdem zwei Familienfeste mit Kinder- und Jugendfußballturnieren am 14. und 21. Juni auf der Wiener "Jesuitenwiese" geben. Am 22. Juni soll im Rahmen eines interreligiösen "Streetsoccer-Turniers" der Dialog der Religionen auch ganz praktisch "am Ball" geübt werden, so Scharf. Das Turnier wird gemeinsam von der Katholischen Jugend Wien, der Evangelischen Jugend Wien, sowie der Muslimischen Jugend Österreich veranstaltet.
Einen ersten Höhepunkt stellte ein Fußballfest auf den Plätzen des Wiener Fußballverbandes in Favoriten am Samstag, 24. Mai, dar. Im Rahmen eines Jugendturniers mit Jugendlichen aus Polen, Kroatien, Deutschland und Österreich wurde u.a. die Gruppenauslosung der "Euro 08" sozusagen "im Kleinen" nachgespielt. Dabei gewann die österreichische Auswahl gegen Kroatien mit 8:0, gegen Polen mit 4:0 und gegen Deutschland mit 5:1. "Wir hoffen, dass das ein prophetisches Zeichen war", so Scharf.
Liturgische Akzente werden während der "Euro 08" vor allem die beiden großen ökumenischen Gottesdienste in Basel und in Wien setzen. Den Auftakt bildet ein ökumenischer Gottesdienst in Basel vor dem Eröffnungsspiel am 7. Juni. Am 8. Juni gibt es "fußball-bezogene" Gottesdienste in der Franziskanerkirche und in der Kirche Cyrill und Method im 21. Bezirk. Zum Abschluss der "Euro 08" findet am 28. Juni ein "Fest der Hoffnung" auf dem Stephansplatz (mit einem ökumenischen Gottesdienst) statt.
Evangelische Allianz mit "Kickoff 2008"
Auch Martin Podobri von der Initiative "Kickoff 2008" der Österreichischen Evangelischen Allianz betonte die Verwandschaft von Glauben und Sport. So sei beides ein Bestandteil des menschlichen Lebens, da beides Begeisterung wecke, vom Engagement der Menschen lebe "und nicht zuletzt auch an klare Regeln gebunden ist".
Die Initiative "Kickoff 2008" bietet österreichweit an 25 Orten über 150 verschiedene Veranstaltungen rund um das Thema Fußball und Glauben. Einen Höhepunkt wird dabei laut Podobri der Einsatz von Christen aus acht verschiedenen Freikirchen auf der Fanmeile in Innsbruck mit einem Kletterturm, einem Streetsoccer-Turnier und eigenen Familienprogrammen darstellen. (Weitere Informationen im Internet: www.kickoff2008.at).
Kurt Ehrenberger, Vizepräsident des ÖFB und Präsident des Wiener Fußballverbandes, strich die Bedeutung des Fußballs im Rahmen einer erfolgreichen Jugendarbeit heraus. Die Kirchen hätten lange Zeit die Tatsache verkannt, so Ehrenberger, dass in den Fußballvereinen ein großes Potenzial an Jugend stecke, dass zugleich auch ein Potenzial für die Botschaften der Kirche sei. Allein in Wien gebe es derzeit rund 520 Nachwuchsmannschaften und Woche für Woche mehr als 400 Spiele.
Ein positives Beispiel für eine Trendwende im Verhältnis der Kirchen zum Fußball sieht Ehrenberger in der Tatsache, dass mittlerweile mehr als 100 diözesane Fußballvereine in der offiziellen Wiener Meisterschaftsrunde mitspielen. Bis noch vor zehn Jahren habe es eine solche Kooperation nicht gegeben, so Ehrenberger.
Für ihn selbst habe der Besuch bei Papst Benedikt XVI. Anfang Mai gemeinsam mit "Sport-Bischof" Franz Lackner und Sport-Staatssekretär Reinhold Lopatka ein besonderes Ereignis dargestellt, so Ehrenberger, an das er immer gerne zurückdenke.




